Berittener Stierkämpfer – Offizieller Guide zur Rejoneo und dem Rejoneador
Berittener Stierkämpfer – Offizieller Guide zur Rejoneo und dem Rejoneador
Der berittene Stierkämpfer, auf Spanisch rejoneador, ist die zentrale Figur einer der faszinierendsten Formen der Tauromaquia: der Rejoneo. Im Gegensatz zur klassischen Corrida, bei der der Matador zu Fuß gegen den Stier antritt, findet der Kampf beim Rejoneo zwischen einem erfahrenen Reiter auf einem Dressurpferd und dem Kampfstier statt. Diese Disziplin verbindet höfische Reitkunst mit der Spannung eines klassischen Stierkampfs.
In diesem offiziellen Guide erfahren Sie alles über den berittenen Stierkämpfer und die Rejoneo: die historischen Ursprünge, die Rolle des Rejoneadors, den Ablauf des Spektakels, die berühmtesten Rejoneadoren der Geschichte sowie praktische Tipps für Ihren Besuch in Madrid oder einer anderen spanischen Stadt.
Was ist der Berittene Stierkämpfer (Rejoneador)?
Der berittene Stierkämpfer ist ein Torero, der zu Pferd gegen den Stier kämpft. Er verwendet dabei verschiedene Instrumente: die Garrocha (Lanze), Banderillas (bunte Speere) und das Rejonazo (Gnadenstoß). Die Kunst der Rejoneo liegt in der perfekten Koordination zwischen Reiter und Pferd — das Pferd muss den Angriffen des Stieres mit absoluter Präzision und Eleganz ausweichen.
Im Gegensatz zur Corrida zu Fuß, wo der Matador dem Stier direkt gegenübersteht, spielt das Pferd in der Rejoneo eine zentrale Rolle. Die verwendeten Pferde sind hochwertige Dressurpferde — häufig Lusitaner oder Andalusier — die jahrelang ausgebildet werden, um auf die Bewegungen des Stieres mit Beweglichkeit und Ruhe zu reagieren.
Die Rejoneo ist in der gesamten iberischen Halbinsel, aber auch in Südfrankreich, Portugal und Lateinamerika verbreitet. In Spanien wird sie in den bedeutendsten Arenen praktiziert, oft im Rahmen der großen Ferias wie San Isidro oder der Feria de Abril.
Geschichte des Berittenen Stierkämpfers
Die Ursprünge des berittenen Stierkämpfers reichen bis ins Mittelalter zurück, als der spanische Adel Jagd und Krieg zu Pferd betrieb. Ritter traten bei Ritterspielen und königlichen Festlichkeiten gegen Stiere an. Die Rejoneo war somit den höheren Schichten vorbehalten, während die Corrida zu Fuß als volkstümlichere Disziplin galt.
Im 18. Jahrhundert verlor die Rejoneo gegenüber der Corrida zu Fuß an Bedeutung. Im 20. Jahrhundert erlebte sie eine Renaissance, zunächst durch Álvaro Domecq, den Vater der modernen Rejoneo, und später durch Pablo Hermoso de Mendoza, der diese Disziplin zu internationalem Ruhm führte.
Berittener Stierkämpfer vs. Klassischer Matador – Ein Vergleich
| Merkmal | Rejoneador | Klassischer Matador |
|---|---|---|
| Haltung | Zu Pferd | Zu Fuß |
| Instrumente | Garrocha, Banderillas, Rejonazo | Capa, Muleta, Degen |
| Pferd | Ja (Lusitaner, Andalusier) | Nein |
| Stil | Elegant, equestrian | Dramatisch, frontal |
| Dauer | ~20 Min. pro Stier | ~20 Min. pro Stier |
Die Bekanntesten Berittenen Stierkämpfer der Geschichte
| Rejoneador | Nationalität | Epoche | Auszeichnung |
|---|---|---|---|
| Pablo Hermoso de Mendoza | Spanisch | 1990er–2020er | Erfolgreichster in der Geschichte |
| Álvaro Domecq | Spanisch | 1950er–1970er | Vater der modernen Rejoneo |
| Leonardo Hernández | Spanisch | 1980er–2000er | Übergangsfigur |
| Fermín Bohórquez | Spanisch | 2000er–heute | Vertreter des klassischen Stils |
| Andy Cartagena | Kolumbianisch | 2010er–heute | Erster kolumbianischer Rejoneador von Weltrang |
Ablauf einer Corrida mit Berittenem Stierkämpfer
Die Rejoneo folgt einem ähnlichen Ritual wie die klassische Corrida, hat aber eigene Besonderheiten. Das Spektakel beginnt mit dem Paseo (Einzug der Teilnehmer), gefolgt vom Eintritt des Stieres in die Arena. Der Rejoneador setzt zunächst die Garrocha ein, um die Reaktionen des Stieres zu testen und Stiche zu setzen, dann folgen die Banderillas — die er selbst vom Pferd aus platziert, was ein extremes Präzisionsmanöver darstellt.
In der Abschlussphase verwendet der Rejoneador das Rejonazo für den Gnadenstoß. Während des gesamten Spektakels dreht, weicht und reagiert das Pferd auf die Angriffe des Stieres dank einer Dressur auf höchstem Niveau. Am Ende kann das Publikum bei besonders herausragender Leistung die Ohren des Stieres als Ehrenzeichen verlangen.
Einschränkungen und Wichtige Hinweise
Wie der klassische Stierkampf ist auch die Rejoneo eine kontroverse Praxis. Sie beinhaltet die Tötung des Stieres und wirft berechtigte ethische Fragen auf. Das Pferd ist durch Petos (gepolsterte Schutzdecken) geschützt, die in Spanien seit 1928 für Pferde bei Stierkämpfen vorgeschrieben sind, aber ein Restrisiko bleibt.
Die Rejoneo ist Teil des spanischen Kulturerbes und wird von Liebhabern der Reitkunst und Tauromaquia gleichermaßen geschätzt. Wer eine elegantere und weniger direkte Form des Stierkampfs erleben möchte, findet in der Rejoneo eine faszinierende Alternative.
FAQ – Berittener Stierkämpfer und Rejoneo
F: Was ist ein berittener Stierkämpfer?
Ein Rejoneador — ein Torero zu Pferd mit Garrocha, Banderillas und Rejonazo.
F: Unterschied zur klassischen Corrida?
Klassisch = Matador zu Fuß; Rejoneo = Rejoneador zu Pferd mit anderen Instrumenten.
F: Welche Pferde?
Lusitaner und Andalusier, jahrelang für die Disziplin ausgebildet.
F: Gefährlich für das Pferd?
Petos schützen seit 1928. Restrisiko bleibt.
F: Wo in Spanien sehen?
Las Ventas (Madrid), La Maestranza (Sevilla) bei großen Ferias.
F: Bekanntester Rejoneador?
Pablo Hermoso de Mendoza.
F: In Portugal?
Ja, aber ohne Tötung des Stieres in der Arena.
F: Entstehung der Rejoneo?
Mittelalterliche Ursprünge, moderne Form durch Álvaro Domecq im 20. Jahrhundert.
F: Wie wird Leistung belohnt?
Durch Ohren des Stieres und Ehrenrundgang.
F: Humaner als klassische Corrida?
Nein, beide beinhalten die Tötung des Stieres.
F: Wo Tickets kaufen?
Kasse Las Ventas oder madridbullfighting.com.
F: Gemischte Veranstaltungen?
Selten, aber möglich bei manchen Ferias.
F: Weibliche Rejoneadoras?
Ja, weniger verbreitet aber in Entwicklung.
F: Dauer?
~20 Min. pro Stier, Gesamtdauer 2–3 Stunden.
